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Dornröschen steht in Kuchenheim:
Die Tuchfabrik des Ludwig Müller.

„Das gibt’s doch gar nicht! Fast dreißig Jahre? Die haben die Fabrik im Juni 1961 einfach zugemacht, und dann ist da jahrzehntelang gar nichts passiert? Da ist alles so geblieben wie damals? Das ist ja wie bei Dornröschen. Wie kam das? Was war da los? Wie war das damals?“

Tja, die meisten Besucher können es einfach nicht glauben, wenn wir ihnen erzählen: „Da gab es diesen Tuchfabrikanten, den Ludwig Müller, hier in Euskirchen- Kuchenheim. Interessanter Mann, ein Tüftler, so ein Aufbewahrer, der nichts wegschmeißen konnte, und als die Geschäfte immer schlechter gingen, hat der 1961 im Juni seine Fabrik einfach zugemacht, abgeschlossen, stehengelassen. So, wie sie war.

Und wir haben sie wieder aufgeschlossen. Und ein Museum draus gemacht.“ Dann gehen sie, geführt von unseren Fachleuten, durch die staubige Fabrik ... und staunen. An der Wand hängt ein Abreißkalender mit dem Datum des Tages, an dem hier 1961 Schluss war. An der Tür der Färberei erkennt man noch die Kreideschrift von Ludwig Müller – ein Rezept für eine Färbelösung. Die Zigarettenschachteln und Kaffeepötte der Arbeiter stehen vergessen neben den Maschinen. Und plötzlich bebt der Boden. Die Fabrik erwacht zum Leben, die alten Maschinen laufen und produzieren. Unsere Besucher erleben live, wie aus loser Wolle, die in großen Ballen in der Wolferei liegt, Tuch gefertigt wird, Wolldecken, die sie nachher im Museumsshop kaufen können.

Die mächtige Krempelmaschine kämmt die Wolle, riesige Spinnmaschinen machen Fäden daraus, die Webstühle klappern und rasseln, die Schiffchen schießen hin und her – ein einzigartiges Erlebnis. Staub hängt in der Luft, es riecht nach Öl und Wolle.

Ebenso faszinierend: das Kontor des Fabrikanten Müller. In der Ecke steht der Tresor. Einschusslöcher erzählen davon, dass amerikanische Soldaten kurz vor Kriegsende hier Schätze vermuteten, von denen Müller nur träumen konnte. Bestaunen Sie die Akten der Fabrik: Bestellungen, Mahnungen und Briefe, säuberlich mit der Hand geschrieben. Versetzen Sie sich am Stehpult in die Welt von Herrn Müller. Auch hier scheint die Zeit stehengeblieben.

Im benachbarten Neubau des Museums, in dem sich auch die Museumscafeteria befindet, erfahren Sie schließlich eine Menge über den Stoff, aus dem die Träume des Ludwig Müller waren: das feine Tuch, mit dem sich Menschen kleiden. Euskirchen war lange eine Hochburg der deutschen Tuchindustrie; umso dramatischer war der Einbruch, als die Konkurrenz aus dem Ausland immer stärker wurde. Den stärksten Eindruck aber hinterlässt bei Ihnen sicherlich das „Dornröschen von Kuchenheim“, die Tuchfabrik, die fast 30 Jahre geschlafen hat und heute davon erzählt, wie das damals war, bei Müller...













Anschrift
Schauplatz Euskirchen
Rheinisches Industriemuseum
Tuchfabrik Müller
Carl-Koenen-Straße
53881 Euskirchen




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